Artist Statement

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Deutsch
„Ich arbeite im Steinbruch des Menschseins und habe das Herz eines Poeten.

Die Bildhauerei beinhaltet, unvermeidbar, die dritte Dimension. Gebauter Raum (Architektur) und gebaute Körper (Skulptur) sind einander komplementäre Gestalten. Architektur gestaltet, aufgrund der Größenverhältnisse von Bauwerk und Mensch, zumeist negative, hohle, konkave Räume, in denen wir uns befinden: Innenräume, öffentliche Plätze und Strassen, urbane Strukturen. Das positive, konvexe Volumen unserer menschlichen Körper und Skulpturen hingegen verdrängt Raum. Im so entstehenden Zwischenraum entfaltet sich ein ebenso unbewusster wie spontaner Dialog von Raum und Körper, von Raum und Skulptur.

Daher habe ich mit der Entwicklung von gebautem Raum, von architektonischen „Bühnen“ für meine Skulptur begonnen. Als „Bühne“ begreife ich sowohl meine Räume, als auch öffentliche Plätze oder andere von mir geprägte Stätten. In diesen „Raum-Installationen“ werden alle Sinne des Besuchers angesprochen, indem Akustik, Licht, Temperatur, Geruch, Tastsinn und Körperempfinden absichtsvoll als Gesamtkunstwerk geprägt werden. Diese Räume verändern Bewusstsein und schlagen Brücken zwischen der inneren Traumwelt und der physischen Existenz.

Im Traum des Mythos lebt der spirituelle Körper der Gesellschaft, es ist der „öffentliche Traum“. Kunst, früher in Dienst von Gott, Schamane oder Priester, ist heute säkularisiert. Dennoch steht sie mit dem „kollektiven Unbewussten“ der Gesellschaft wie schon immer in engster Verbindung. Daher ist Kunst ein prinzipieller Weg zur Transformation von Gesellschaft.

Ich arbeite figurativ, weil sich im nackten menschlichen Körper über alle Sprach- und Kulturgrenzen hinweg ein spontaner Zugang zu dem in der Figur verkörperten Inhalt erschließt. Denn: Körpersprache wird intuitiv und universal verstanden.

Gegenüber dem fühlenden Ertasten von mythologischen Konturen über die Thematik meiner Arbeiten, ist mein künstlerisches Vorgehen formal sehr systematisch und strukturiert:

Stehen, Liegen, Sitzen, Hängen, Springen, Laufen, Ruhen, sind prinzipielle menschliche Körperzustände die ich gestalte und in ihrer Aussagekraft untersuche.

Drehen, Trennen, Verschmelzen, Kombinieren, Schärfen, Auflösen von Körpern sind gestalterische Permutationen, die ich auf die einzelnen Körperhaltungen anwende.

Aus beiden Kategorien (Körperzustand / Gestalterische Permutation ) lässt sich eine zweidimensionale morphologische Matrix entwickeln, deren Felder alle gestalterischen Ausprägungen dieser beiden Kategorien darstellen und mir damit ein systematisches Erfassen der künstlerischen Möglichkeiten meiner Arbeit erschließt.

Bevorzugt wähle ich traditionelle Materialien, wie Stein, Holz, Gips, Wachs, Bronze und Metall, um die Aufmerksamkeit auf die Innovation in der Aussage und Machart zu lenken und nicht auf das Material, wie es so oft in der zeitgenössischen Kunst vorkommt. Ich scheue mich aber nicht, Hochleistungskunststoffe oder Verfahrensinnovationen (z.B Lost Foam Gussverfahren, Sphäroguss usw.) einzusetzen, sollte es dem Ausdruck und der technischen Realisierbarkeit dienlich sein. Farbige Fassungen oder monochrome Oberflächen setze ich schliesslich als eigene Qualität dazu.

Mein Oeuvre umfasst Skulptur, Malerei, Raum-Installation, Environment und Videokunst. Die Videokunstwerke erstelle ich meist in meinen Räumen und mit meinen Skulpturen als Protagonisten: denn durch Video lässt sich Skulptur im zeitgenössischen Verständnis leichter vermitteln und es können durch die bewegte Kamera besonders gut Raumzusammenhänge verdeutlicht und gezeigt werden. Schließlich, wird die in jeder Figur gefrorene, statische Dramaturgie der Geschichte in meiner Videokunst in bewegte Dramaturgie oder Motion Picture umgesetzt.“

English
„I work in the stone quarry of humanity and have the heart of a poet.

Myth contains the spiritual body of society, its ‚public dream‘. Art, once servicing god, shaman or priest, is, nowadays, one of the last professions directly linked to the ‚collective subconscious‘. Therefore art is a principle path to transformation of society. I see the naked human body as an expression of the mythological symbol. The intuitive comprehension of body language and gesture unlocks spontaneous access to the content across all frontiers.

Sculpture contains, inevitably, the third dimension. Built space (architecture) and built body (sculpture) are complementary patterns. Architecture forms due to the proportion of construction versus human most of the time negative, hollow spaces where we are within: interiors, public spaces, streets, urban structures. Whereas the positive volume of human bodies and of sculptures dispenses space. The resulting interspace induces a subconscious and spontaneous dialogue between space and body, between space and sculpture.

Therefore, I have started to develop built spaces or architectural ’stages‘ for my sculpture. And as ’stages‘ I interpret my own spaces as well as public spaces or other locations given distinction to. These ’space-installations‘ interact with all senses of the visitor. Acoustics, light, temperature, smell, tactile and body impression melt into an intentionally designed holistic piece of art, a ‚Gesamtkunstwerk‘ that has the potential to change consciousness and builds bridges between the inner world of dreams and the outer world of physical subsistence.

Opposed to the evaluation of mythological contours , my artistic approach is systematically and structured:

Standing, Laying, Seating, Hanging, Jumping, Resting are principle human postures that I explore figuratively and examine in their expressive power.

Flipping, Cutting, Fusing, Combining, Sharpening, Diffusing are principle design-methods that I apply as permutations to different body posture.

From both categories (body posture / design-method) a two dimensional morphological matrix is derived, where all fields within the table are expressing a specific permutation of these two principal categories, which enables me to explore systematically all potential artistic expressions of my work.

I preferably choose traditional materials, in order to put emphasis on the sculptural innovations instead of materialistic contemporaneity: stone, wood, plaster, wax, bronze. Nevertheless I use acrylic resin or technological innovations like lost foam or sphaero casting whenever it is needed to meet certain objectives supporting the theme and intention of the artwork. I add colors and monochrome surfaces as distinct qualities.

My oeuvre ranges from sculpture, painting, installation, environment to video-art. Mostly, I create video-art within my built spaces with my sculptures as protagonists and as leading actors. Because video enables an easier access of understanding sculpture and space due to the moving camera that guides the spectator‘s eye by providing viewpoints creating greater sensitivity for the intentions of the artwork. Eventually, the frozen dramaturgy of each statue, its story, is transformed within my video-art into dramaturgic movement or motion picture“